Mozarts Requiem in Perfektion


Immer wenn sich allzu heftige Bedenken der Traditionsbewahrer an letztlich nie zu klärenden Detailfragen breit machen, ist dies ein verlässliches Indiz für wirklich Neues. So auch im Falle der Neueinspielung des Requiem D-Moll KV 626 von W. A. Mozart mit dem Bachchor Mainz und der L'Arpa festante München unter der Leitung von Ralf Otto. (Label NCA)

Wer hat sie nicht im Ohr, die vertrauten Stellen des Dies irae, Lacrimosa oder des Requiem aeternam gleich am Anfang. Doch eben bereits am Anfang im Introitus wird sofort ein unerwartet klares und gleichzeitig kräftiges Klangbild geboten. Die dadurch geweckte Erwartung wird dann auch durch die gesamte Einspielung hindurch erfüllt, besonders durch das einmalige Zusammenwirken der bestqualifizierten Musiker in allen Bereichen.

Der Bachchor Mainz stellt sich gekonnt der stilistischen Anforderung und erreicht gemeinsam mit dem Ensemble L'Arpa festante ein beeindruckendes, farbenreiches und differenziertes Klangbild, wohl nicht zuletzt dank der spürbar einfühlsamen Führung durch Ralf Otto.

Dass auch den Solisten die volle Entfaltung ihrer bestens aufeinander abgestimmten Stimmfarben sehr überzeugend gelingt erscheint geradezu folgerichtig. Klaus Mertens trägt förmlich das Stimmengebäude auf sehr festem Bass-Grund, Daniel Sans entwickelt nicht weniger überzeugende Tenor-Vielfalt zu der die harmonisch-ruhige Alt-Stimme von Gerhild Romberger und ein einzigartig klarer Sopran von Julia Kleiter perfekt passen. Letztere wird demnächst in Salzburg als Celia in Jürgen Flimms Lucio Silla unter der Leitung des jungen Tschechen Tomas Netopil ihr Debüt feiern.

Die bekanntlich fehlenden Teile des Werkes wurden schon früh verschieden glücklich ergänzt und bearbeitet. In der Aufführungspraxis setzte sich die Fassung des Mozartschülers Franz Xaver Süssmayr durch, dessen Version nun heute Robert Levin als Ausgangspunkt für seine aktuelle Überarbeitung und Ergänzung diente. Im Tuba mirum und Lacrimosa ist daher wirklich Neues zu hören, während ab dem Sanctus Levins Ergänzungen wohl nur mehr Verbesserungen sind. Der amerikanische Pianist und Musikforscher Robert Levin empfahl sich bereits im Vorjahr mit der Vervollständigung der c-moll-Messe als qualifizierter Mozart-Bearbeiter in der New Yorker Carnegie Hall und später auch in Deutschland.(mozart.at berichtete) Puristen werden solchen ernstzunehmenden Versuchen immer die Anerkennung verweigern, sie werden sich
selbst durch gelungene Einspielungen nicht überzeugen lassen.

Allen weniger empfindlichen Gemütern, die sich gerne von der Musik, der Kreativität und engagierten Freude an der musikalischen Begegnung inspirieren lassen, ist diese Neuheit sehr zu empfehlen.
www.mozart.at 12.05.2006