Repertoire-Lücke gefüllt


Dem einen oder anderen Sammler der Klavierkonzertreihe auf Hyperion dürfte der Name Alexander Dreyschocks schon einmal untergekommen sein. Darüber hinaus kehrt der in dieser Hinsicht bereits verdiente Michael Krücker mit der Aufnahme dieser Werke wieder einmal eine echte Repertoire-Lücke auf dem CD Markt hervor.

Als der 24-jährige böhmische Pianist im Jahre 1843 zum ersten Mal in Paris spielte, sprach die Revue et Gazette Musicale von einer "neuen pianistischen Dreifaltigkeit", in der Liszt der Vater war, Thalberg der Sohn und Dreyschock der Heilige Geist.
Einen echten Virtuosenkult erregten seine Konzerte in Russland, London, Holland, Österreich und Ungarn. Theodor Kullak sprach ihm sogar eine bessere Technik zu als Liszt. Dennoch sind seine 140 Werke mit Opuszahlen heute vergessen.
Die eingespielten Werke präsentieren einen verzierungsreichen, technisch anspruchsvollen Romantiker, bei dem die Virtuosität noch nicht einmal so sehr im Vordergrund steht, wie der Ruf des Komponisten erwarten ließe.

Die Oktavläufe, für die er berühmt wurde, finden sich allenfalls am Ende von Werken, die durchgängige musikalische Narrativik ist eine gepflegt unterhaltende Salon-Musik, die vor allem in Werken wie der "Invitation a la Polka" durch das musikalische Vokabular osteuropäischer Volksmusik mehr als einmal an Frederik Chopin erinnert.

Michael Krücker präsentiert diese Werke stilvoll auf einem Pianoforte von Henri Herz, erbaut 1866, und präsentiert sie mit genau der fließenden Leichtigkeit, die die technischen Raffinessen zur scheinbaren Nebensächlichkeit werden lassen.

Eine kontrollierte Agogik und eine pointierte Dynamik lässt die Einspielung zum wahren Argument für den Komponisten geraten.

Eine CD, die keinem Liebhaber der pianistischen Tradition entgehen sollte.
ejh, pizzicato 01.12.2005