60144 - Zentenarium des Orgelbauers Friedrich Ladegast


Gleichsam als Nachtrag zum Zentenarium des Orgelbauers Friedrich Ladegast (1818-1905) liegt nun eine CD-Edition vollständig vor, auf der die Klänge einiger für die Entwicklung der deutschen Orgelbaukunst der Romantik höchst bedeutsamer Instrumente des Weißenfelser Meisters zu hören sind: An den Orgeln in Merseburg (Dom, 1855; Vol. 1), Köthen (Stadtkirche, 1872; Vol. 2), Schwerin (Dom, 1871; Vol. 3 + 5) und Hohenmölsen (Stadtkirche, 1852; Vol. 4) spielte Martin Haselböck die Orgelwerke Franz Liszts (1811-1886).

Die Kombination Ladegast'scher Klanglichkeit mit Liszt'scher Kompositionstechnik legitimiert das Eröffnungsstück der Reihe: Die virtuose Fantasie und Fuge über den Choral "Ad nos, ad salutarem undam" aus der Oper "Der Prophet" von Giacomo Meyerbeer war zwar schon 1850 entstanden, wurde jedoch von Liszt mit einer viel bewunderten orchestralen Registrierung für die Einweihung der Ladegast- Orgel in Merseburg am 26. September 1855 neu eingerichtet. Wenngleich bei den anderen aufgenommenen Werken (Originale und Bearbeitungen) solche Registrierungsanweisungen für dieses spezielle Instrument nur rudimentär oder für die anderen Instrumente nicht vorliegen, so instrumentierte Haselböck die weiteren Stücke mit viel Sinn und Gefühl für Registrierungen entsprechend ihren jeweiligen Charakteren. Beispielsweise suggerieren das sphärische Piano der Evocation à la Chapelle Sixtine oder der Pilgerchor aus Richard Wagners "Tannhäuser" mystische Versenkung, das Preludio per il Canto del Sol di San Francesco oder das Offertorium aus der ungarischen Krönungsmesse feierliches Pathos.

Überhaupt merkt man der CD-Kollektion an, daß der Interpret sich intensiv mit dem Liszt'schen Orgel-Oeuvre beschäftigt und diese Auseinandersetzung eben nicht - wie gerade bei diesem Komponisten allzu oft - nur auf den Tasten durch Fabrikation möglichst vieler Töne in möglichst kurzer Zeit stattgefunden hat, sondern seit der Herausgabe der Sämtlichen Orgelwerke des Komponisten (Universal Edition Wien) über Jahrzehnte erkenntnishaft aus dem Werk selbst erwachsen ist. Das "Über-den-Tönen-stehen" macht sich daher weniger in einem äußerlich exzellenten Spiel bemerkbar; vielmehr ist die Verinnerlichung der komplexen Strukturen und der kantablen Linien für den Hörer spürbar in der Wahl entsprechend aufeinander abgestimmter Farbkombinationen aus der grandiosen Ladegast'schen Palette. Hierzu trägt sicherlich auch die sorgfältige Aufnahmetechnik bei, die dafür sorgt, daß selbst eine normale heimische Surround-Stereo-Anlage ein Gefühl von der Tragkraft der Originalräume zu vermitteln vermag.

Die in der bibliophilen Aufbereitung mit Bildern und Faksimiles sehr ansprechend ausgestatteten Beihefte beinhalten informative und wissenschaftlich fundierte Texte Haselböcks zu den jeweils zu hörenden Liszt-Werken auf deutsch, englisch und französisch sowie allgemein zu Friedrich Ladegast und speziell zu den einzelnen Orgel mit ihren Dispositionen.

Erhältlich ist die aufgrund ihres künstlerischen und dokumentierenden Wertes gleichermaßen überzeugende CD-Edition im Fachhandel oder für alle, die es eilig haben, direkt bei www.cd-lp-dvd.de.
Musik & Kirche 01.07.2005