Bolero


Bolero
Spanish Art Guitar Quartett
Vier deutsche Gitarristen haben beschlossen 2005 eine Bolero-Platte aufzunehmen. Die ganze Komposition ist für ein Gitarren-Quartett arrangiert worden. Auf solche Ideen bin ich meistens sehr gespannt. Ein neuer Blickwinkel, neue Klänge, das Herrauheben zweitrangiger Harmonieen, das Einführen interessanter Klänge, musikalische Überraschung - das ist es, was solche Aufnahmen auszeichnet. Ob das auch so in diesen Fall den Musikern gelungen ist? Erstmal ist die Auswahl des Repertoires recht riskant und anspruchsvoll. Nur musikalische 'Hits'. Die Oper-Suite Carmen vom G. Bizet, Hebanera vom C. Saint-SaŽns und selbstverständlich Bolero vom Ravel. Kurz gesagt-die Platte soll sich gut verkaufen. Ich würde trotzdem um sie ein Bogen machen. Zur Kompetenz der Musiker kann man nichts Negatives sagen, trotzdem habe ich auf der Platte relativ leicht gewisse technische Unvollkommenheiten (Störungen) bei genauem Zuhören feststellt.

Der Hauptstörfaktor jedoch liegt ganz woanders - es ist die Idee der ganzen Aufnahme. Das Arrangement des Quartett ist sehr gewöhnlich und einfach langweilig. Die Musiker haben ihren Repertoire kein bißchen attraktiv gemacht, haben alles einfach schulmäßig gespielt; es ist den nicht gelungen, die Aufmerksamkeit der Zuhörer mehr als für ein Paar Takte zu erwecken. Ich war um so mehr überrascht, als ich das Hauptstück der Platte Bolero gehört habe. Liebe Leser, das ganze Stück dauert 15 Minuten und wird von 4 Gitarren gespielt. Sie können sich bestimmt an jenes Bolero aus der Schulzeit erinnern, wo man die ganze Palette der Instrumente des Sinfonieorchesters hören und genießen kann. Die Idee ist das instrumental-crescendo mit immer wiederkehrendem musikalisch-rhythmisch Motiv. Wie kann man diese Idee mit so eingeschränkter Besetzung verfolgen und interpretieren? Die Antwort ist kurz: man kann es nicht.
Marta Sienkiewicz
Muzyka 21 01.01.2006