Jörn Arnecke


Jörn Arnecke, 1973 in Hameln geboren und in Hamburg lebend, hat sich mittlerweile mit mehreren Musiktheaterwerken als hoffnungsvoller Komponist in diesem Genre profiliert. Seine hier eingespielte Kammeroper Das Fest im Meer basiert auf dem Roman To the Wedding von John Berger, den Francis Hüsers als Libretto einrichtete. Auffällig ist die äußerst delikate Instrumentation, die stimmungsvolle und technisch interessante und ausgereifte musikalische Gestaltung der einzelnen Szenen; einnehmend auch die geschickte Dosierung von Gesang und Sprechtexten, die natürlich wirkt, ohne konventionell zu sein, und die der Oper das gibt, was diese braucht, ohne aber artifizielle Stimmakrobatik in den Vordergrund zu schieben. Da es sich um ein fast intimes Kammerspiel mit nur wenigen Personen handelt, erfreut den Hörer die Textverständlichkeit wie auch die Charakterisierung der einzelnen Personen. Das Stück kommt angesichts der Anlage verschiedener Handlungsmotive doch zielgerichtet voran, ist weder zu lang noch zu kurz.
Die Einschränkung der Gesamtbewertung betrifft eigentlich im Wesentlichen die Vorlage, für die aber letzten Endes auch der Komponist, da er sie nun einmal ausgewählt hat, geradestehen muß: Hier findet sich ein merkwürdig disparates Geflecht von thematischen Andeutungen zwischen Prager Frühling 1968, Emigrantenschicksal in Frankreich, Familientradition in Italien, Liebesgeschichte zwischen den Völkern und schließlich eine in diesem Zusammenhang etwas unmotiviert wirkende Problemschürzung durch eine AIDS-Erkrankung. Jedes dieser Themen hätte eine eigene Geschichte verdient; die lose Verquickung aller bleibt beliebig und ein wenig oberflächlich. Dennoch ist diese Produktion geeignet, den Komponisten bekannt zu machen und kennenzulernen, nicht zuletzt durch die dankenswert opulente Präsentation mit Librettotext und Kommentaren.
Hartmut Lück
Klassik heute 23.02.2006