Konzerte auf Telemanns Art


Georg Philipp Telemann (1681–1767) bekannte sich dazu, mit der Form des im 18. Jahrhunderts so populären Instrumentalkonzerts so seine Schwierigkeiten gehabt zu haben. Nicht, dass der vielseitige Komponist das Gängige nicht hätte reproduzieren können. Es störten ihn vielmehr ästhetische Aspekte: Die vielen Konzerte italienischer Herkunft oder Inspiration hätten 'zwar viele Schwierigkeiten und krumme Sprünge, aber wenig Harmonie und noch schlechtere Melodie', wie er in seiner Autobiographie aus dem Jahr 1718 vermerkte. Allzu viel Virtuoses war ihm suspekt, Kunstfertigkeit als Selbstzweck mochte er nicht mit eigenen Arbeiten befördern. Deshalb parfümierte er seine eigenen Konzerte nach französischer Art, gestaltete die Sätze verspielter, eleganter, leichter, mit deutlichem Trend zum Empfindsamen. Aber auch Telemann schöpfte aus dem Reichtum der konzertanten Möglichkeiten, wenngleich eher im Bereich der Klangfarben sehr verschieden besetzter Instrumentenkombinationen – so geben bei Telemann auch Trompete und Violine ein mehr als passables Paar ab. Dabei gestaltet er durchbrochene, harmonisch variantenreiche und bei aller Leichtigkeit des Ausdrucks satztechnisch durchaus gewichtige Musik. Und auch bei Telemann müssen die Solisten natürlich nicht ganz auf die Entfaltung ihrer technischen und gestalterischen Möglichkeiten verzichten. Interessant ist zugleich die dominierende Viersätzigkeit der Telemannschen Konzerte, deren Sätze in der Regel nach dem Schema langsam-schnell-langsam-schnell abfolgen.

Reife Leistung
Die vorliegende Platte bringt eine Formation aus der nordamerikanischen Tradition Alter Musik zu Gehör und überzeugt damit. Unter der Leitung Martin Haselböcks arbeiten die Instrumentalisten des ‚Musica Angelica Baroque Orchestra’ klar konturierte Tempi heraus, differenzieren ein feines dynamisches Tableau aus und intonieren makellos-energisch.
Bei aller Klangfreude artikuliert das Orchester sehr variabel und bewusst, macht es die Soli zugleich transparent, bettet sie gewissermaßen in solide Strukturen ein.
Die Soloinstrumente der vier Konzerte – Violine, Viola d’amore, Violoncello, Oboe d’amore, Oboe, Flöte und Trompete – fügen sich glänzend in den noblen Klang ein. Das dürfte mit Blick auf Telemanns Konzerttypus deutlich angemessen sein. Herausragend agiert der Oboist Gonzalo Ruiz, der durch Klangsinnlichkeit und Beweglichkeit gleichermaßen überzeugen kann.
In der Summe eine sehr ansprechende Aufnahme, die das Leichte und Unbeschwerte betont und damit nah bei Telemann ist. Instrumentales Können ist auch hier zentral, aber immer uneitel und unforciert. Auf die graziöse und kunstvolle Interaktion zwischen Soli und Tutti kommt es an.

Dr. Matthias Lange
Klassik.com 27.01.2009