Deutsche Barockrarität


Johann Philipp Krieger ist ein heute unbekannter und so gut wie vergessener Komponist des deutschen Barock. 1649 in Nürnberg geboren kam er relativ bald nach seinem zweijährigen Studienaufenthalt in Venedig und Rom im Jahr 1680 nach Weißenfels und blieb dieser Stadt bis zu seinem Tod 1725 verbunden. Er sorgte in den 45 Jahren seines Wirkens dafür, dass Weißenfels neben oder nach Dresden einer der bedeutendsten mitteldeutschen musikalischen Zentren seiner Zeit war. Besonders wichtig war Weißenfels für die Entwicklung der deutschsprachigen Oper. Während man sich in den großen Städten - mit der Ausnahme von Hamburg und Leipzig - vor allem an der italienischen Oper orientierte, suchte man in der kleineren Provinzstadt die deutschsprachige Oper weiterzuentwickeln.
Von Kriegers sicher bezeugten 18 Opern sind die Partituren und die meisten Libretti verloren. Lediglich zwei Ariensammlungen aus sieben Opern sind uns überliefert: 1690 veröffentlichte er 'Auserlesene in denen Dreyen Sing-Spielen Flora, Cecrops und Procris enthaltene Arien', zwei Jahre später erschien der Sammelband 'Auserlesener Arien Andrer Theil', der Arien aus den Opern 'Dem wiederkehrenden Phoebus', 'Der gedrückt- und wieder erquickten Ehe-Liebe', 'Dem wahrsagenden Wunderbrunnen' sowie 'Dem großmütigen Scipio' enthält. Wenn Krieger von ‚Arien‘ spricht, dann meint er damit generalbassbegleitete Strophenlieder, deren Strophen im zweiten Arienband teilweise mit auskomponierten Ritornellen für zwei Violinen unterbrochen werden. Die Arien sind zwar einfach strukturiert, haben aber teilweise durchaus komplexe und auch virtuose Melodieführungen. Aus diesen beiden Sammlungen sind die Stücke entnommen, die auf der 1995 in der Schloßkirche zu Weißenstein eingespielten Aufnahme zu hören sind. Dabei sind die einzelnen Stücke, deren ursprünglicher Zusammenhang nicht mehr vollständig rekonstruierbar ist, so angeordnet, dass in der Art eines Pasticcios unaufdringlich eine kleine Handlung entsteht. Zur Kurzweiligkeit trägt auch bei, dass manche Arien als Duett gestaltet worden sind.
Die Aufnahme mit der Lautten Compagney unter ihrem Leite Wolfgang Katschner ist gut gelungen. Die Generalbassbegleitung ist ausgefeilt und abwechslungsreich. Neben Cembalo, Orgelpositiv und einer Viola da Gamba ist auch eine Barockharfe, Barockgitarre, eine Chitarrone und ein Arciliuto (eine Art Theorbe) zu hören. Die einzelnen Stücke, die selten länger als zwei Minuten dauern, werden mit Ernst, aber auch leichtem Augenzwinkern und hörbarer Freude am Musizieren von Mona Spägele (mit einem manchmal vielleicht etwas zu leichten Sopran), Wilfried Jochens (dessen Timbre und Ausdruck ein wenig an Ian Bostridge erinnert) und Wolf Matthias Friedrich (dessen Bass man sich stellenweise noch tragfähiger wünschen würde) vorgetragen. Die Stärke der vorliegenden Aufnahme liegt in der Natürlichkeit der Interpreten, manchmal entsteht aber der Eindruck, etwas mehr Innerlichkeit und Expressivität, die sich in der Begleitung findet, hätte auch den Stimmen gut getan. Das Booklet ist informativ, der Text der Rezitative und Arien hätte allerdings durchaus liebevoller gesetzt werden können.

Kritik von Prof. Dr. Michael Bordt
Klassik.com 05.01.2009