60193 - Schubert, Schumann, Spohr: historisch und heutig


Das Gewandhaus-Quartett in unseren Tagen: Frank-Michael Erben und Conrad Suske (Geige), Olaf Hallmann (Bratsche) und Jürnjakob Timm (Cello) hat jüngst mit dem Zyklus der Beethoven-Quartette Furore gemacht. Ein wenig war es eine Reise mit der Zeitmaschine: Man glaubte, ins tiefe 19. Jahrhundert zurückversetzt zu werden, als kultivierte Musiker keine Scheu vor der großen, heldentenoralen Geste kannten. Es wurde kraftvoll musiziert, in satten Farben, doch frei von falschem Pathos, mit Kunstverstand und überlegenem Kalkül: getragen und 'männlich'. Auch Schostakowitsch, Prokofjew, Strawinsky und Leipzigs Stadtpatron, Felix Mendelssohn, werden von den diversen Gewandhaus-Ensembles erfolgreich bewältigt. Nun ist Robert Schumanns Quintett Es-Dur op.44, für Klavier, zwei Violinen, Viola und Violoncello an der Reihe, Louis Spohrs Konzert für Streichquartett und Orchester a-Moll mit dem Gewandhausorchester unter Herbert Blomstedts zuverlässig kompetenter Leitung, und, als pièces de resistance, Franz Schuberts Streichquintett C-Dur, D 956, und sein 'Forellenquintett' A-Dur, D 667, dieses in einer klanglich stupenden Aufnahme des Jahres 1928. Hier wird die eindrückliche Kontinuität der Leipziger Musikauffassung deutlich vernehmbar: Mögen agogische Schwankungen freier ausgefallen sein, nach heutigen Maßstab zu frei der interpretatorische Gestus ist sich im Grunde gleich geblieben, über achtzig Jahre hinweg. Heute wie damals herrscht abgeklärte Nüchternheit vor, des Weiteren ein unfehlbares Gespür fürs richtige Tempo, das stets in der goldenen Mitte gesucht und gefunden wird: In der Ruhe, scheint man anzunehmen, liegt die Kraft.
...
New Classical Adventure hat die Doppel-CD samt reichhaltigem Booklet in edel prunkende Goldtöne gekleidet, um den Nimbus des Gewandhaus-Quartetts in klingende Münze zu verwandeln: Eine berechtigte und legitime Erwartung.

(Lesen Sie weiter unter www.klassik.com)
Klassik.com 26.10.2008