Von Tod und Leben


Deth – Life. Musikalische Gedanken über Leben und Tod’ – so lautet der Titel einer SACD, die jüngst beim Label New Classical Adventure erschienen ist und sich als eine Art Konzeptalbum präsentiert: mit eindrucksvollem Vanitas-Stillleben auf der Kartonhülle und (leider nur zwei) Schwarzweiß-Fotografien von Grabsteinen und Friedhofsdenkmälern im Booklet. Es ist der ‚Tombeau’ – also jenes Genre, das die zum Gedenken an eine nahe stehende verstorbene Person komponierten Werke umfasst –, das hier, ausgehend von seinen Ursprüngen im 17. Jahrhundert, im Mittelpunkt steht und an Beispielen von Marin Marais, Tobias Hume, Robert de Visée, Charles Dollé und François Couperin von den Musikern der Hamburger Ratsmusik zum Klingen gebracht wird. Natürlich lässt sich dieses komplexe Thema mit einer einzigen Produktion nicht vollständig abdecken.
...
Schiebt man diesen theoretischen Unterbau allerdings zur Seite, muss man den drei Musikern Simone Eckert (Viola da gamba), Ulrich Wedemeier (Theorbe und Erzlaute) und Michael Fuerst (Orgel) eine in musikalischer Hinsicht gelungene Platte attestieren. Es ist schon spannend, wie Eckert und Wedemeier zu Beginn in dezentem Tonfall den ‚Tombeau pour Mr. de Lully’ von Marais anstimmen und der Klang gewordenen Klage einen durchgehenden Zug verleihen, ohne ihr die ans Stehgreifspiel gemahnende Haltung zu rauben. Diese Freiheit des Ausdrucks wahrt die Gambistin auch in Humes ‚Deth’, während sie im musikalischen Gegenstück ‚Life’ die fest gefügten, tanzartigen Satzstrukturen betont, was Wedemeier ganz ähnlich auch bei der Wiedergabe von Visées ‚Plainte, ou Tombeau de Mesdemoiselles de Visée’ und der nachfolgenden ‚Courante’ aus dem ‚Manuscript Vaudry de Saizenay’ (1699) macht.


Kritik von Dr. Stefan Drees, 11.07.2008
(Lesen Sie weiter unter www.klassik.com)
Klassik.com 11.07.2008