Klangromancier


Szenisches, die Verwendung von Sprache oder Raum, gewürzt mit etwas Schelmigkeit, sind Schwerpunkte im Schaffen von Georg Katzer. Erinnert sei hier beispielhaft an seine ,Szene für Kammerensemble’, eines der frühesten ,Instrumentalen Theater’ der DDR. Nicht minder bedeutsam in Katzers Werk ist die Auseinandersetzung mit elektroakustischer Musik. So gründete Georg Katzer 1982 das ,Studio für elektronische Musik’ an der Akademie der Künste in Berlin, zu dessen offiziellen Leiter er 1986 ernannt wurde.

Die wesentlichen Elemente in Katzers Schaffen findet man auch in den ,Imaginären Dialogen’ wieder, jetzt von NCA auf Doppel-CD veröffentlicht. In einem Zeitraum von fast dreißig Jahren hat Katzer sieben Stücke für je ein Soloinstrument und Zuspielband geschrieben, eine Reihe, die an Luciano Berios ,Sequenze’ denken lässt. Im Gegensatz zu Berio erweitert Katzer die Möglichkeiten des Soloinstruments weniger aus sich selbst als mit elektroakustischen Mitteln. In der Reibung mit dem oft als Widerpart verstandenen Tonband, das sein Material oft aus dem Instrument erhält, gewinnt Katzer für die Komposition Tiefe und wesentlich erweiterte Möglichkeiten für abwechslungsreiches Komponieren. Vielleicht kommt daher der Titel – Dialoge zwischen Mensch und Maschine. Die Maschine ist ein Werk des Menschen, wie die Maschine umgekehrt seine Lebenswelt und damit letztlich auch den Menschen selbst ändert. Katzers elektroakustische Klänge sind überaus lebendig, und keinesfalls tot. Instrumente sind Klangmaschinen und Maschinen sind Instrumente.

Katzer nutzt die Möglichkeiten der elektroakustischen Musik konsequent und kurzweilig aus. Verändert werden Klangfarben, Geräuschanteile, Hüllkurven, Tonhöhen usw. Sehr viel Aufmerksamkeit widmet Katzer den Übergängen, sie sind ebenso kunstvoll wie handwerklich perfekt. Katzer scheint vom Klang her zu denken, er wandelt Klänge auf der Suche nach schönen Klängen. Die Großform ist klar gegliedert, Katzer erzählt Klanggeschichten in Kapiteln und zeigt sich als Romancier des Klanges.

Einige der Dialoge verlangen vom Solisten auch etwas schauspielerische Aktion, die bei der Wiedergabe auf CD naturgemäß fehlt. Nicht immer ist erkennbar, ob der Solist spielt oder der Klang vom Tonband kommt. Dennoch hat NCA hier eine sehr interessante Produktion aufgelegt. Man hört, wie lebendig elektroakustische Musik sein kann.
Kritik von Patrick Beck, 31.01.2007

(Wertung 4/5 Punkten in allen Kategorien)
Klassik.com 31.1.2007