Fast Echtes von Mozart für Klarinette


Schon vor fünfzehn Jahren hat Eric Hoeprich das Mozartsche B-Dur-Klarinettenquartett nach der Violinsonate KV 317d eingespielt, nun steht mit dem Ensemble Les Adieux eine in dieser Zusammenarbeit oft bewährte Streichergruppe an seiner Seite fpr eine Neueinspielung, ergänzt um zwei weitere Bearbeitungen Mozartscher Vorlagen, nämlich nach der Violinsonate Es-Dur KV 174f und nach dem Klaviertrio KV 496. Mozarts Offenbacher Verleger Joseph André hat diese Klarinettenquartette 1799 in seinen Katalog aufgenommen und vermutlich auch selber hergestellt. Wie auch immer, der Bearbeiter hat mit großem Geschick und bewundernswertem Einfühlungsvermögen alle Schönheit und Lebendigkeit der Vorlagen erhalten und der Klarinette in allen neun Sätzen dankbare und oft auch technisch heikle Aufgaben zugedacht, dabei die Melodie attraktiv auf Klarinette und Violine verteilt: im Kopfsatz von KV 374f wird von der Klarinette sogar das dreigestrichene "es" verlangt. Die Bearbeitung des Klaviertrios KV 496 war wohl einfacher; denn Violin- und Cellostimme waren ja schon vorhanden. Allerdings hat der Arrangeur das Stück von G- nach F-Dur herabtransponiert, was eine C-Klarinette erfordert - die beiden anderen Stücke in B- und Es-Dur werden auf einer B-Klarinette gespielt.
Eric Hoeprich berichtet im Beiheft, er habe sich in Artikulation und Dynamik von den Originalen Mozarts und des Bearbeiters und vom eigenen Empfinden leiten lassen, aber auch zeitgenössische Quellen - so etwa Leopold Mozart und Johann Georg Tromlitz - konsultiert, weil nicht alle Anweisungen in der Bearbeitung sinnvoll erschienen und man deshalb stets auch auf die eigene Intuition angewiesen sei. Das Ergebnis dieser Bemühungen ist überzeugend: die unentwegt beschäftigte Klarinette schwebt mit ihren Kantilenen und vielen virtuosen Passagen und Verzierungen, oft im Zwiegespräch mit der Violine, über den vertrauten Mozartschen Melodien, und das mit großer Eindringlichkeit, vor allem in den wunderbaren Mittelsätzen. Dass im Schlußsatz von KV 496 die fünfte Variation fehlt und es statt ihrer nur eine Überleitung der vierten zur sechsten Variation gibt, ist angesichts dieser wertvollen Bereicherung des Klarinettenrepertoires unbedeutend. Die von den vier Künstlern so beeindruckend gestaltete SACD ist - vor allem im wunderbar natürlichen Raumklang -. ein wertvolles nachträgliches Wolfgang-Geburtstagsgeschenk.

Dieter Steppuhn
´rohrblatt - Heft 4 / Dezember 2007 01.12.2007