Klang der Welt


„Klang der Welt: Titel und (gelungenes) Outfit der CD deuten auf eine geplante Serie hin. Sollte ich das richtig interpretiert haben, so bitte ich hiermit um eine Fortsetzung auf demselben künstlerischen und technischen Niveau.” – Das schrieb ich, als mir vor gut einem Jahr die erste CD der Reihe mit Musik aus Portugal in die Hände kam. Die hoffnungsvolle Bitte verhallte ungehört. Zwar hat sich an der äußeren Gestaltung nichts geändert und auch an den technischen wie musikalischen Leistungen finde ich nichts auszusetzen. Was aber – trotz zweier wonniger Klaviertriosätze von Enrique Fernández Arbós und einigen schönen Liedern von Lorenzo Martínez Palomo – deutlich überwiegt, ist ein Ton internationaler Halbmoderne, der mir den Namen der Serie in einem neuen, bedenklichen Lichte erscheinen läßt: Geht es hier am Ende gar nicht mehr in erster Linie um die Herausarbeitung nationaler Charakteristika, sondern (zumindest auch) um die quasi globalisierende Grenzverwischung und damit um die Rücknahme all jener vielgerühmten Verdienste, von denen man unter Hinweis auf die verschiedenen „Schulen” aus Ost, Nord und West immer wieder lesen kann? Wunderlich jedenfalls ist es schon, daß mir etliche der hier eingespielten Stücke schon an ganz anderen Stellen und unter anderen Namen vorgekommen sind, und was der 1954 geborene Alfredo Aracil über seine Komposition Kerzenlicht für Sopran und fünf Instrumente (2005) bemerkt, ließe sich ohne weiteres über die gesamte Produktion setzen: Es handle sich nämlich, so steht da geschrieben, um einen kleinen lyrischen Raum, „an dem nichts erklärbar scheint, mit einer Musik, die nirgendwo hinzuführen scheint.” Immerhin bleiben die ebenfalls 2005 entstandene Homenaje a García Lorca für Oboe und Streicher von Bernardo Adam-Ferrero und einige Teile des Tiento de Falsas (1996) von José Peris Lacasa im Gedächtnis – was im letztgenannten Falle auch kein Wunder ist, denn die profilierteren Abschnitte klingen wie ein später, avancierter Schostakowitsch. An der Bewertung kann ich diese Befremdlichkeiten natürlich nicht auslassen.

Rasmus van Rijn (27.12.2007)

Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität: 9
Gesamteindruck: 9


Klassik Heute 27.12.2007