'little opera"


Als „little opera“ hat Händel sein Schäferspiel aus dem Jahr 1718 bezeichnet. Gemessen an den drei- bis vierstündigen Opernkolossen der Barockzeit bedeutet Acis and Galatea (nach Motiven aus Ovids Metamorphosen) tatsächlich so etwas wie musikdramatisches Kleinformat: anderthalb Stunden Spielzeit. Allerdings stellt diese zärtliche Idylle einen Sonderfall dar, ein Zwischending aus Oper und Konzert, daher auch für beide Formen der Wiedergabe geeignet. Was an Händels Musik zu seinem antiken Hirtenspiel so stark berührt, ist die Einfachheit und Kindlichkeit, mit der hier Gutes und Böses, Freudiges und Trauriges ausgedrückt werden. Im ersten Teil schwelgen die Nymphe Galathea und der Hirte Acis in himmelblauer Verklärung. Eine frühlingshafte Klarheit liegt über diesen amourösen und zugleich keuschen Szenen. Doch dann verfinstert sich der Horizont, der böse, in Galathea verliebte Riese Polyphem erscheint und tötet Acis.Mit einem ergreifenden Trauergesang endet das Werk.
Händels Acis ist oftmals auf Tonträgern erschienen, auch die Aufnahmen einzelner Arien lassen sich bis in frühe Schallplattenzeiten zurückverfolgen. Martin Haselböcks Version mit dem Musica Angelica Baroque Orchestra bietet ein überzeugendes Beispiel für ehrliches, lebensvolles Musizieren – ohne alle zusätzlichen Interpretations-„Faxen“. Das relativ junge kalifornische Ensemble, bei NCA für mehrere weitere Aufgaben verpflichtet, legt damit eine beachtenswerte Probe vor. Linda Perillo, die Sängerin der Galatea läßt einen hellen, reinen Sopran vernehmen, der das Unwirkliche, Ungeschlechtliche einer Halbgöttin gut versinnbildlicht. Den Bassisten Florian Boesch als Polyphemus darf man getrost als „Bombenbesetzung“ bezeichnen. Mit prächtiger Stimme und drastischem Vortrag stattet er die mit zahlreichen Buffo-Elementen ausgestattete Partie aus. Die übrigen Gesangskräfte passen sich dem hohen Gesamtniveau gut an. Die Arie Nr. 14 („Would you gain the tender creature“) wird nicht, wie fälschlich angegeben, vom Schäfer Damon, sondern von dessen Amtskollegen Coridon gesungen.

Clemens Höslinger (27.11.2007)

Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität: 8
Gesamteindruck: 8


Klassik Heute 27.11.2007