Gregorianische Gesänge


Entsprechend der üblichen Definition werden die „Gregorianischen Gesänge“ unter dem Begriff „Gregorianischer Choral“ zusammengefaßt und durch eine „Choralschola“ vorgetragen. Das heißt, eine kleine Gruppe besonders geschulter Chorsänger – „schola“ – übernimmt im römisch-katholischen Gottesdienst die Aufgabe, die einstimmigen, mittelalterlichen Gesänge als traditionelle, feste Bestandteile der lateinischen Liturgie stilgerecht vorzutragen. „Stilgerecht“ bedeutet in diesem Falle nicht nur die Kenntnis der speziellen Notenschrift, Textrhythmik und Tongebung, sondern die Verinnerlichung der Aussagekraft dieser den Sakraldienst aller Mitvollziehenden überhöhenden Kunstform.

Pater Gottfried Meier OSB als Leiter der Choralschola der Benediktinerabtei Gerleve im westlichen Münsterland erläutert im gedruckten Kommentar zur vorliegenden Auswahl von Meßgesängen deren historische Herkunft, vor allem aber ihre Form, ihren Inhalt (mit Übersetzungen) und Funktion als Teil religiöser Hingabe an das Mysterium des Glaubens. Berührt werden also jene metaphysischen Bereiche, für die sich jede herkömmliche Form profaner CD-Besprechungen von selbst verbietet. Allenfalls auf besondere Anwendungsbereiche kann ein „Kritikertext“ hinweisen. So sind diese dem altkirchlichen Ritual zugehörenden Gesänge und Klänge zur häuslichen Vorbereitung einer aktiven Teilnahme am Geschehen einer Eucharistiefeier oder für den Religionsunterricht hilfreich.

Allerdings gehören auch ein Meßbuch (Missale) und – für musikhistorisch Beflissene – das „Graduale Romanum“ mit den Notenaufzeichnungen dazu. Denn diese Musik, wenn man die Gregorianischen Gesänge als eine dem Alltag enthobene Klangform transzendentaler Entrückung überhaupt so nennen kann, sprengt den Rahmen des bloßen An- und Zuhörens. Sie ist den Gebeten inbrünstig Glaubender absolut gleichzusetzen.

Gerhard Pätzig (01.11.2007)

Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität: 9
Gesamteindruck: 9

Klassik Heute 01.11.2007