Geheimtipp


Die vorliegende Anthologie von Solo-Konzertpiecen für Fagottvirtuosen kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß es sich um eine Art Geheimtip handelt. Gewissermaßen unter Ausschluß der Öffentlichkeit wird ein anspruchsvolles Genre exemplarisch dargeboten, das ein ökonomisches Wagnis für die CD-Produzenten darstellt. Denn was immer da erklingt, ist weit entfernt vom aktuellen Konzertbetrieb. Man mag dies bedauern. Tatsache ist jedoch, daß die hier zu hörende Literatur in aller Regel nur in den Übungsräumen von Meisterstudierenden zur Geltung kommt und gleichsam als handfestes, unverzichtbares Fundament für den Anspruch auf einen herausgehobenen Orchesterplatz nach Prüfungsritual und Probespiel dient. Bleiben der Wunsch und die Hoffnung, mit Hilfe der vorliegenden Produktion auch die Ohren von Raritätensammlern, Bläserkammermusik- und speziellen Fagottfreunden für die Reize des Dargebotenen zu öffnen.
Und Reizvolles gibt es wahrlich genug zu hören. Zumal alle Schöpfer der Stücke zur Prominenz gemäßigter Moderne gehören. Schon deswegen kommen die tadellosen, reifen und bläsertechnisch klanglich perfekten Vortragskünste des japanischen Solo-Fagottisten Akio Koyama überzeugend zur Geltung. Gegenwärtig als Pultvirtuose des Saito-Kinen Orchesters unter Seiji Ozawa tätig, hat der jetzt 52jährige Musiker diese Werksammlung vor zehn Jahren eingespielt. Spät hat man nun diese nicht alltäglichen Impressionen zugänglich gemacht. Freilich sollten die Werkkommentare etwas deutlicher die Absichten, Zusammenhänge und Strukturen offenlegen, anstatt aufzuzählen, was man ohnehin hört. Unbedingt ist die pianistisch sensibel und klar disponiert agierende Begleitpianistin am Flügel, Iva Navratova aus Tschechien, mit verdientem Beifall für das hohe Niveau der Duo-Partnerschaft zu würdigen.
Gerhard Pätzig (25.10.2007)
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität: 9
Gesamteindruck: 8
Klassik Heute 25.10.2007