Eine eindrucksvolle Neuerscheinung!


Die Flöte mit ihrem geheimnisvollen Timbre war – neben der Harfe – ein Lieblingskind des aufkommenden Impressionismus, der sich gerne mythischer antiker Sujets bediente. So verwundert es wenig, dass in der Belle Epoche, jener unbeschwerten Zeit zwischen dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 und dem Ersten Weltkrieg, die Kammermusik mit Flöte eine wahre Blütezeit erlebte.

Das Trio Rossignol präsentiert auf seiner CD eine charakteristische Auswahl von Liebesliedern der Zeit, die stilistisch zwischen Impressionismus und Spätromantik anzusiedeln sind. Naturgemäß liegt der Schwerpunkt auf Werken französischer Komponisten wie Caplet, Ravel, Ibert oder Délibes, doch hat das Ensemble in sein Programm auch „nicht-französische“ Stücke, z.B. Lieder von Joseph Marx, Jan Brandts-Buys und Oldrich Flosman integriert, die den gleichsam pan-europäischen Geist der Epoche belegen.

Das stilistische Spektrum der Werke ist dabei keineswegs so einheitlich wie man zunächst glauben möchte, sondern weist eine beachtliche Spannweite auf: von Caplets exotischen Flötenpassagen über Délibes augenzwinkernde pastorale Szenerie, Saint-Saëns’ liedhafter Schlichtheit bis hin zu Brandts-Buys’ unheimlichem Nachtruf oder Flosmans berührend intimen Lyrizismen. Insgesamt eine wohlgelungene Mischung und Zusammenstellung, die man gerne „in einem Zug“ hört.

Die drei Musiker bieten eine perfekte Ensembleleistung, besonders aber die Sopranistin Heidrun Kordes verleiht der Aufnahme mit souveräner musikalischer Gestaltungskraft und facettenreicher, flexibler Stimmgebung eine besondere Note. Bei so viel Qualität erscheint es hingegen unverzeihlich, dass man von seiten des Labels ausgerechnet an der Übersetzung der (meist französischsprachigen aber auch tschechischen) Liedtexte gespart hat. Trotzdem: Eine eindrucksvolle Neuerscheinung!

Heinz Braun (16.07.2003)


Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität: 10
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute 06.07.2003