Octetto Tokyo-Berlin


Seit 1986 gibt es in Berlin ein Fagottquartett, gebildet von Musikern der Opernorchester. Ein Jahr später wurde in Japan aus dortigen Instrumentalisten die Tokyo-Fagottiade gegründet. Wenn sich die zweimal vier Bläser von Zeit zu Zeit zum Ensemble zusammenschliessen, nennen sie sich Octetto Tokyo-Berlin. Klar, dass es da kaum einschlägige Originalliteratur gibt; nicht einmal der überaus fleissige Villa-Lobos hat etwas geliefert. So gilt es eben, will man fragwürdige Bearbeitungen vermeiden, Aufträge zu erteilen. Sechs der acht Werke auf unserer CD gehören in diese Kategorie; die zwei übrigen (Ikuma Dan, Maki Ishii) sind Einzelbestellungen der betreffenden Gruppen.

Es ist ein sehr spezieller, je nachdem charakteristischer oder aufdringlicher und letztlich zweifellos unverwechselbarer Klang, den vier oder acht Fagotte produzieren. Generell – und vereinfachend – mag man feststellen, dass deutsche Komponisten in dieser Kombination eher das Groteske und Burleske suchen, dass dabei der spielerische Musiziertrieb überwiegt und die Vorschrift „capriccioso“ (bei Michael Stöckigt) kaum minder für die Kreationen von Helmut Sadler, Gisbert Näther und Kurt Natusch gilt. Immerhin streut der letztere bei seinem Stück mit der kleinen Trommel ein bisschen rhythmischen Pfeffer dazu. Japanische Tonschöpfer dagegen tendieren eher zum Atmosphärischen (am frappantesten das Album von Kirschbaumblüten der Komponistin Mari Miura) oder machen sich in Ikuma Dans Sonate zu phantasievollen klanglichen Erkundungen im sanft ausgeweiteten spätromantischen Tonraum auf.

Mario Gerteis (11.05.2007)


Klassik Heute 11.05.2007