Eine brillante Aufnahme von hohem Repertoire-Wert


Georg Böhm, ein Zeitgenosse Johann Sebastian Bachs, wurde am 2. September 1661 in der Nähe von Ohrdruf (Thüringen) geboren und starb am 18. Mai 1733 in Lüneburg. Er komponierte überwiegend für Tasteninstrumente und hinterließ ein beachtenswertes Orgelwerk. Durch seine Organistenstelle an der Johanniskirche in Lüneburg könnte er Kontakt zu Bach gehabt haben, zumindest war der junge Johann Sebastian dort zur gleichen Zeit Chorknabe. Böhms Werke für „Lautenwerk“ sind ebenso ein Hinweis auf die „Nähe“ zu Bach, hat dieser doch drei solcher Instrumente (Lautenclavicymbel) besessen, und auch Werke hierfür komponiert. Zitat: „Es hatte zwey Chore Darmseyten, und ein sogenanntes Octävchen von meßingenen Seyten. Es ist wahr, in seiner eigentlichen Einrichtung klang es (wenn nämlich nur ein Zug gezogen war), mehr der Theorbe, als der Laute ähnlich. Aber wenn der bey den Clavicymbeln sogenannte, und auch hier (...) angeführte Lautenzug (...) mit dem Cornetzuge gezogen wurde, so konnte man auch bey nahe Lautenisten von Profeßion damit betrügen.“ Soviel also zum Klang eines solchen „Lautenwerks“...

Die Suiten sind in ihrer Anlage viersätzig, überwiegend bestehend aus den Sätzen „Allemande“, „Courante“, „Sarabande“ und „Gigue“ bzw. „Ciacona“. Genau wie Bach, war Böhm von vielen europäischen Musikstilen beeinflußt, am meisten jedoch vom italienischen und französischen Stil. Besonders gut zu hören ist der französische Einfluß auf Böhm, der auch durch den französischen Cembalokomponisten D’Anglebert geprägt war, in den „Giguen“ im 6/8 Takt. Auffällig sind auch die unregelmäßigen und pointierten Rhythmen in den „Couranten“. Einen besonderen Ruhepunkt innerhalb der Suiten stellen die „Sarabanden“ dar. Hier kommen die Klangschönheit und der Charakter des zweimanualigen „Lautenwerks“ besonders zur Geltung.

Geoffrey Thomas interpretiert die Werke mit dem notwendigen Respekt und einer daraus resultierenden Stiltreue. Eine brillante Aufnahme von hohem Repertoire-Wert, die sowohl Anhänger der Cembalo- als auch der Lautenmusik gleichermaßen ansprechen wird.

Andreas Paar (20.05.2003)

Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität: 10
Gesamteindruck: 9
Klassik Heute 20.05.2003